29. November 2017

Kann der Verbindungsstollen der Stadt Ulmen geöffnet werden?

Bereits seit vielen Jahren beschäftigt sich der Stadtrat Ulmen mit der Thematik, den Verbindungsstollen zwischen Jungferweiher und Ulmener Maar zu nutzen und dieses einmalige Bauwerk der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die unvergleichliche Kombination aus sichtbaren hochinteressanten Erdschichten und historischer Entstehungsgeschichte des Stollens stellt eine Einzigartigkeit dar, die selbst den Einheimischen nicht bewusst ist. Im letzten Jahr wurden die Ergebnisse einer interdisziplinären Arbeitsgruppe aus Historikern, Archäologen und Geoarchäologen der Universität Trier unter der Leitung von Dr. P. Pfeiffer vorgestellt. Die Experten fanden heraus, dass der sogenannte „Römerstollen“ nicht römischen Ursprungs ist, sondern aus dem 12. Jahrhundert stammt und in Zusammenhang mit dem mittelalterlichen Mühlenbetrieb der Ulmener Burg steht.

Zu Beginn diesen Jahres hat der Stadtrat Ulmen einstimmig beschlossen eine Machbarkeitsstudie zur fachtechnischen Prüfung der bergtechnisch erforderlichen Sicherungsmaßnahmen zur Öffnung des Stollens für den Besucherverkehr und eine Aufwands- und Kostenschätzung in Auftrag zu geben. Die lokale Aktionsgruppe Vulkaneifel (LAG) hat die Studie finanziell gefördert. Am Donnerstag, 23.11.2017 wurden die Ergebnisse von Herrn Dr. P. Rosner von dem spezialisierten Ingenieurbüro Heitfeld und Schetelig GmbH aus Aachen in einer öffentlichen Veranstaltung vorgetragen. Anschaulich, unterstützt mit vielen Schaubildern und Fotos, erläuterte Herr Dr. Rosner den Zustand und die Beschaffenheit des Stollens und erklärte die notwendigen baulichen Änderungen und Schutzmaßnahmen in den einzelnen Abschnitten. Im unteren Stollenbereich von der Maarseite beginnend führt der Stollen durch festes Vulkangestein mit relativ niedriger Deckenhöhe. Da die Firste aufgrund ihrer besonderen Bauweise und Entstehungsgeschichte nicht verändert werden sollen, könnte die Sohle tiefer gesetzt werden, um eine ausreichende Deckenhöhe zu erreichen. Durch den gesamten Stollen soll eine neue Wasserleitung in die Sohle verlegt werden, um die wasserschutzrechtlichen Bestimmungen einzuhalten und einen reibungslosen Verlauf des Wasserzulaufs vom Jungferweiher zum Maar zu gewährleisten. Im mittleren Bereich des Stollens ändert sich die Gesteinsschicht und einige Abplatzungen sind feststellbar. Hier soll einer eventuellen Steinschlaggefahr durch Einbau von Sicherungsnetzen entgegen gewirkt werden. Die Sicht auf die  Wände und den First bleibt erhalten. Lediglich im letzten nördlichen Abschnitt (Jungferweiher) ist eine Vollsicherung durch Spritzbeton, mit nur teilweiser Sicht auf die darunter befindliche Gesteinsschicht, notwendig. Da in diesem Bereich die Breite des Stollens großzügig ist, könnte hier eine Art Ausstellungsraum entstehen, indem durch Schau- und Infotafeln die Besonderheiten des Stollens erläutert werden. Bis zu diesem Schauraum ist ein behindertengerechter Ausbau seitens des Jungferweihers möglich. Unter Beachtung der naturschutzrechtlichen Bestimmungen müssten das Eingangs- bzw. Ausgangsportal mit den entsprechenden Böschungen teilweise neu gestaltet und hergestellt werden. Herr Dr. Rosner erläuterte auch die Maßnahmen zum Schutz vor Vandalismus, wie verschließbare Tore und eine Videoüberwachung. Anschließend zeigte der Ingenieur ein Video und nahm die Zuschauer mit auf einen beeindruckenden Durchgang durch den Stollen.
Zum Schluss nannte Herr Dr. Rosner die geschätzten Gesamtkosten von 735 000,– € für die Umsetzung der Maßnahme. Bürgermeister Steimers und Stadtbürgermeister Kerpen bedankten sich bei Herrn Dr. Heitfeld für die sehr gute Leistung seines Büros und ganz besonders bei Herrn Dr. Rosner für seine umfassende und für jedermann verständliche Präsentation der Ergebnisse. Die Herren Bürgermeister waren sich einig, dass die Stadt Ulmen die Finanzierung eines Projektes in dieser Größenordnung nur mit Unterstützung durch entsprechende Fördermittel stemmen kann. Hier ist man zuversichtlich, Lösungen zu finden. Stadtbürgermeister Kerpen bringt abschließend auf den Punkt, dass man nun endlich wisse, worüber man spreche. Es gäbe jetzt eine fundierte Kostenschätzung und die Sicherheitsthematik sei geklärt. „Es ist möglich den Stollen für den unbeaufsichtigten Besucherverkehr zu öffnen“, sagte Kerpen. Nun ist es Aufgabe des Stadtrates gemeinsam mit der Verbandsgemeindeverwaltung Ulmen das Projekt weiter voran zu bringen.

Text: Daniela Saxler




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