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Therapeutische Landschaft

Die Basis des GesundLand Vulkaneifel ist die therapeutische Landschaft und die Überzeugung, dass Landschaft und Natur eine heilsame Wirkung für Körper und Geist haben können.

Die WHO prognostiziert, dass im Jahr 2020 psychische Krankheiten wie Depressionen das weltweit am weitesten verbreitete Krankheitsbild sein werden.  Aus diesen psychischen Erkrankungen resultieren bewiesenermaßen auch physische Probleme wie Herz-Erkrankungen, Asthma oder Diabetes (Pretty, 2005).

Dabei haben wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, dass man psychischen Belastungen mit einfachsten Mitteln entgegenwirken kann. Ein Aufenthalt im Freien stärkt die mentale Gesundheit. Doch dabei ist die Art des Draußenseins entscheidend: Die Bewegung entlang viel befahrener Straßen ist längst nicht so wirksam wie ein Gang durch eine naturnahe Landschaft (Brämer, 2008).

Der Sozialbiologe Wilbert Gessler brachte diese Beobachten 1992 erstmals in den wissenschaftlichen Kontext ein und prägte den Begriff der therapeutischen Landschaft. In seiner Abhandlung „Therapeutic landscapes. Theory and a case study of Epidauros“ beschreibt er den wohltuenden und heilenden Effekt, den eine Landschaft auf die Gesundheit haben kann. Dazu legt er zwei Faktoren fest, die für den positiven Effekt gegeben sein müssen:

  1. Landschaften mit malerischer Kulisse
  2. Landschaften, die durch eine reichhaltige Ausstattung an Gesundheitseinrichtungen gekennzeichnet sind

(Gessler, 1993)

Natur und Landschaft dienen dann als salutogene Faktoren und sind wichtige Gesundheitsressourcen, die geschützt werden müssen (Classen, 2013). Die wissenschaftliche Validierung ist längst noch nicht abgeschlossen, dennoch wurden bereits wichtige Erkenntnisse aus der Forschung zum Thema gewonnen: Besonders die mentale Gesundheit und das Wohlbefinden werden gefördert. Die Konzentration steigt, die Zufriedenheit nimmt zu, Menschen entwickeln plötzlich ein positiveres Selbstbild und darauf aufbauend mehr Selbstvertrauen. Bei ADHS-kranken Kindern wurde eine Verbesserung der Symptome beobachtet. Daraus abgeleitet ergibt sich auch eine Verbesserung der körperlichen Verfassung, beispielsweise durch Absenkung des Blutdrucks oder durch
Stärkung des Immunsystems (Brämer, 2008).

Dieses Phänomen ist auch im Ausland bekannt. So wird in Japan schon seit langem die Praxis des Waldbadens verfolgt, während in Norwegen das „Frisluftsliv“, also das Leben unter freiem Himmel, ein großes Thema ist.

Weiterführende Berichte zur wissenschaftlichen Validierung der Therapeutischen Landschaft und ein ausführliches Literaturverzeichnis finden Sie unter Service & Download.


Literaturauszug:

  • Brämer, Rainer: Grün tut uns gut. Daten und Fakten zur Renaturierung des Hightech-Menschen. In: Grüntutgut, natursoziologie.de, 5/2008
  • Classen, Thomas; Kistemann, Thomas: Das Konzept der Therapeutischen Landschaften. In: Geographische Rundschau, Jg. 2010, Heft 7-8, S. 40-46
  • Gessler, Wilbert: Therapeutic landscapes. Therory and a case study of Epidauros, Greece. In: Society and Space. Environment and Planning, Jg. 34, Heft 5, S. 171-189
  • Pretty, Jules et al.: The mental and physical health outcomes of green exercise. In: International Journal of Environmental Health Research, October 2005; 15(5): 319 – 337